Priele

Der Deich zerschneidet das Prielsystem im Haseldorfer Vorland. Foto Heiko Grell, IBP

Priele sind die Tausendsassas der Tideelbe. Von der Elbe oder ihren Nebengewässern aus schlängeln sie sich durch die Landschaft und geben ihr ihren charakteristischen Reiz. Sie erinnern an das ursprüngliche Ästuar: Eine amphibische Landschaft, in der sich die Elbe und ihre Gezeitenströme ihre Wege durch die eigenen Ablagerungen bahnen mussten.

Als Reste des früheren natürlichen Gewässersystems der Elbmarschen sind Priele meist schmal und flach. Bei Niedrigwasser führen sie kein oder nur wenig Wasser. Im Unterschied zu steil eingetieften Gräben sind sie oft von Wattflächen umgeben.

Das Besondere: Sie verlängern die Kontaktfläche zwischen Land und Wasser, fördern die Selbstreinigungskraft der Elbe und sorgen für ein tidegeprägtes Bodenwasserregime. Sie sind auch die Lebensräume unterschiedlichster Arten. Priele in offenen Grünlandflächen sind eine Einladung an die Watvögel: Kleinstlebewesen, die in Hülle und Fülle in den Prielen oder ihren angrenzenden Wattflächen leben, sorgen für das tägliche Festmahl. Priele, die von Auwäldern oder Röhrichten gesäumt werden, sind dagegen ideale Rückzugsräume für Fische: Auch sie finden hier reichlich Nahrung, Jungfische können hier ungestört aufwachsen. An ihren strömungsberuhigten Ufern siedelt sich der Schierlings-Wasserfenchel gerne an.

Durch die Überprägungen des Elbeästuars, zuletzt noch durch die Eindeichungen der 1960er und 1970er Jahre, sind zahlreiche Prielsysteme nicht mehr an die Gezeiten angeschlossen. Viele wurden verfüllt, andere zu Gräben umgestaltet. Hierdurch ist großflächig entscheidender Lebensraum verloren gegangen.

Die Stiftung Lebensraum Elbe hat es sich zum Ziel gesetzt, diese wichtigen Lebensräume zu fördern. Zum Beispiel baut sie neue Priele ins Deichvorland oder reaktiviert vorhandene verlandete oder verbaute Priele. Darüber hinaus schafft sie durch Deckwerksabsenkungen oder Böschungsabflachungen die Voraussetzungen dafür, dass sich kleine Priele von selbst entwickeln können.

Priele in der Arbeit der Stiftung Lebensraum Elbe:

  • Hamburg / Wrauster Bogen: Ein vorhandener Priel wurde reaktiviert, ein neuer Priel soll 2019 neu entstehen.

  • Hamburg / Wittenbergener Elbwiesen: Durch Uferabflachung wurde ein tidebeeinflusster Graben reaktiviert.

  • Hamburg / Obergeorgswerder: Zwei Priele wurden ins Deichvorland gebaut.

  • Schleswig-Holstein / Rhinplate: Deckwerksabsenkungen sollen dafür sorgen, dass sich Priele hier von selbst entwickeln können.

  • Hamburg / Schweenssand: Durch Deckwerksabsenkungen an mehreren Stellen wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich kleine Priele selbst entwickeln können.

  • Hamburg / Altengamme: Eine Studie zur Aufwertung des Priels „Schlinz“ liegt vor.

  • Hamburg / Kirchwerder: Eine Studie zum Bau eines neuen Priels liegt vor.

  • Winsen / Luhe: Im Projekt „Schwung für die Luhe“ sollen zwei neue Priele entstehen und fünf tidebeeinflusste Gräben reaktiviert werden

  • Hamburg / Fischfauna: Ein für 2019 geplantes Monitoring wird verschiedene Hamburger Priele - natürliche und künstlich angelegte - auf ihre Bedeutung für die Fischfauna untersuchen.
    • Vier Männer stehen in einem Boot und befischen den Priel bei Hochwasser
    • Ein Fisch wird auf einem gelben Brett vermessen. Dieser ist über 30 cm groß
    • Ein weiterer Fisch wird vermessen. Dieser ist ebenfalls über 30 cm groß.